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Zahl der Arbeitslosen sinkt kräftig

Berlin

Der Arbeitsmarkt setzt trotz der schwächelnden Konjunktur und der Lieferengpässe seinen Erholungskurs fort. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte, sank die Zahl der Arbeitslosen im Oktober weiter: um 88.000 auf 2,377 Millionen. Der Rückgang fiel damit stärker aus, als das aufgrund der Herbstbelebung um diese Jahreszeit üblich ist – ein Zeichen, dass der Arbeitsmarkt die Corona-Krise nach und nach hinter sich lässt. Die Folgen seien zwar noch sichtbar, würden aber kleiner, sagte der Vorstandsvorsitzende Detlef Scheele.

Auch saisonbereinigt, also unter Herausrechnung der üblichen jahreszeitlichen Schwankungen, sank die Arbeitslosigkeit weiter: um 39.000. Im Vergleich zum Oktober 2020 nahm sie sogar um 383.000 ab. Auf dem Vorkrisenniveau ist der Arbeitsmarkt damit aber noch nicht wieder angelangt: Im Oktober 2019 waren der Bundesagentur für Arbeit (BA) nur rund 2,2 Millionen Arbeitslose gemeldet. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihrer kürzlich veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose davon aus, dass das Vor-Pandemie-Niveau im kommenden Jahr wieder erreicht werden dürfte. Die Arbeitslosenquote sank im Oktober um 0,2 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent.

Die Unternehmen stellen wieder mehr ein

Getragen wurde der Aufschwung am Arbeitsmarkt zuletzt vor allem dadurch, dass die Unternehmen wieder mehr einstellten. Nach BA-Angaben ist die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern im Oktober weiter gestiegen – die Zahl der gemeldeten Stellen stieg auf 809.000. Dem Münchener Ifo-Institut zufolge suchten die Unternehmen hingegen zuletzt etwas weniger Personal. Das entsprechende Beschäftigungsbarometer, das auf einer monatlichen Konjunkturumfrage unter rund 9000 Betrieben basiert, fiel um 0,7 auf 103,6 Punkte. Ein kleiner Dämpfer also – gleichwohl befinde sich der Arbeitsmarkt auf Erholungskurs, kommentierte Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe.

Auffällig ist, dass die Einstellungsbereitschaft im Verarbeitenden Gewerbe konstant blieb. Denn die Industrie hat zwar sehr viele Aufträge, kann diese wegen des Mangels an wichtigen Vorprodukten und Rohstoffen aber derzeit nur schwer abarbeiten. Die Lieferprobleme schlügen sich jedoch „noch nicht in der Beschäftigungspolitik der Unternehmen wieder“, so Wohlrabe. Auch das Gastgewerbe und der Bau suchen neue Mitarbeiter. Für den Dienstleistungssektor ist der Indikator hingegen gefallen.

Dass der Arbeitsmarkt sich weiter günstig entwickeln wird, erwarten auch die lokalen Arbeitsagenturen, die jeden Monat für das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) befragt werden. Allerdings dürfte der Aufschwung in den kommenden drei Monaten nicht mehr ganz so kräftig ausfallen wie zuletzt. Insbesondere wird die Arbeitslosigkeit wohl nicht mehr so schnell sinken wie nach dem Ende des langen Lockdowns im Frühjahr. Zudem zeigten sich „Risiken einer Verfestigung in Form höherer Langzeitarbeitslosigkeit“, sagte IAB-Forscher Enzo Weber.

Schwierige Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Sorgen bereitet derzeit neben der Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit vor allem der Ausbildungsmarkt. Zwar hat sich die Lage im Vergleich zum Jahr 2020 etwas verbessert, wie die großen Wirtschafts- und Kammerverbände gerade mitgeteilt haben. Demnach wurden bis Ende September 2 Prozent mehr neue Ausbildungsverträge in Industrie, Handel, Handwerk und den freien Berufen abgeschlossen als im Vorjahr. BA-Chef Scheele sagte, trotz einer Aufhellung blieben die Ergebnisse aber sehr deutlich hinter denen vor der Pandemie zurück. Es blieben große Herausforderungen.

Die Zahl der den Arbeitsagenturen gemeldeten Ausbildungsstellen liegt mit rund 511.000 sogar leicht unter dem Vorjahreswert, gleiches gilt für die Zahl der Bewerber (433.000). Die BA geht allerdings davon aus, dass sich aufgrund der Corona-Einschränkungen viele Bewerber nicht bei den Arbeitsagenturen gemeldet haben und das tatsächliche Ausbildungsinteresse höher sein könnte.

Dennoch blieben wie schon im Vorjahr viele Ausbildungsplätze unbesetzt: Ende September waren es noch rund 63.000, etwas mehr als 2020. Vor allem in Hotel- und Gaststättenberufen, in Lebensmittelherstellung und -verkauf, in der Gesundheitstechnik und in Bauberufen taten sich die Betriebe schwer, Lehrlinge zu finden. Zugleich waren aber auch mehr als 24.000 Bewerber noch unversorgt.

Bedenklich ist diese Entwicklung vor allem wegen der demographischen Entwicklung und des enormen Bedarfs der Unternehmen an Fachkräften. Zudem lehren die Erfahrungen aus der Vergangenheit, dass ein Einbruch am Ausbildungsmarkt nicht leicht wieder aufzuholen ist: Der Rückgang nach der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 wurde danach nie wieder wettgemacht. Vielmehr nahm die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse bis 2016 fast kontinuierlich weiter ab. Erst danach stieg sie aufgrund der hohen Zuwanderung wieder leicht.

Quelle: FAZ.NET

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